Absinthe Künstler
Den größten Zuspruch fand Absinthe seit jeher bei Künstlern, Intellektuellen und der Boheme. Diese tranken ihn nicht nur bei jeder Gelegenheit, sondern experimentierten mit seiner Wirkung, ließen sich vom Rausch inspirieren, gaben sich der Wahrnehmungsveränderung hin.
Zu den namhaftesten Absintheuren zählten Baudelaire, Manet, Verlaine, Rimbaud, Oscar Wilde, Degas, Toulouse-Lautrec, van Gogh, Gauguin, Picasso usw. Von der Beliebtheit, des Absinthes in diesen Kreisen, zeugen zahlreiche Anekdoten und Legenden sowie die vielen Gemälde und Gedichte, die den Absinthe zum Thema haben.
Über das Werk Toulouse-Lautrecs wird gesagt, dass zahlreiche seiner Bilder im Absintherausch entstanden. Damit war wohl in erster Linie die halluzinative Strahlkraft gemeint, die von vielen seiner Gemälde ausgeht, gleichzeitig aber auch angedeutet, daß Toulouse-Lautrec dem Absinthe ausgesprochen zugetan war, was schließlich dazu führte, daß er eine dreimonatige Entziehungskur über sich ergehen lassen mußte.
Für den Dichter Verlaine gehörte der Absinthekonsum so sehr zum täglichen Leben wie zu seinem Selbstverständnis, daä er aus seinen Trinkgewohnheiten eine Grußformel machte. Ein Literat schreibt über seine Begegnung mit Verlaine auf einem belgischen Bahnhof: “Ein Fenster in einem Wagen der dritten Klasse öffnete sich mit großem Geklapper und umrahmte das faunartige Gesicht des alten Dichters. Er rief: “Ich trinke ihn mit Zucker!” Das war offenbar sein üblicher Gruß, wenn er auf Reisen war, eine Art Schlachtruf oder Parole.” Baudelaire, der Verfasser des Gedichtsbands Les Fleurs du mal, wurde zum Urvater aller Punks, indem er sich seine Haare grün färbte – die Farbe des Absinthes.